Warum ich gerade kaum schreibe (und warum das okay ist)

Kennt ihr das, wenn euer Kopf eigentlich eine To-Write-Liste hat, aber euer Körper einfach nur denkt: „Nö.“?
Genau da bin ich gerade. Eigentlich hätte ich in den letzten Monaten so viel schreiben können. Ideen habe ich mehr als genug, und theoretisch hätte ich sogar ein Projekt, das nur darauf wartet, dass ich weitermache.
Aber das Leben hatte andere Pläne. Und ehrlich gesagt – ich auch.

Hochzeit, Baby, Tagesmutter – und irgendwo dazwischen ich

In den letzten Wochen war mein Leben ein bisschen wie eine Reality-Show, nur ohne Kamerateam (zum Glück).

  • Hochschwanger sein ist schon allein ein Vollzeitjob. Die Termine, die Vorbereitungen, die Gedanken um das Baby – alles will irgendwie gleichzeitig passieren.
  • Dann habe ich auch noch geheiratet. Das war wunderschön, aber zwischen Planung, Organisation und der Tatsache, dass man plötzlich sehr viele Fragen beantworten muss („Welche Blumen? Welche Musik? Welche Sitzordnung?“), blieb nicht viel Platz im Kopf für fiktive Welten.
  • Und dann kam noch die Eingewöhnung meines Kindes bei der Tagesmutter. Ein emotionaler Balanceakt zwischen Loslassen und Dabeibleiben.

Klingt auf dem Papier nach einer Bilderbuchzeit – und ist es auch. Aber sie ist eben auch anstrengend. Und wenn ich nicht gerade mit Organisation, Umarmungen oder der Suche nach meinem Handy beschäftigt war (das natürlich in der Wickeltasche lag), habe ich versucht, einfach mal zu atmen.

Die Schwangerschafts-Müdigkeit schlägt zu

Ich war schon vorher ein Mensch, der gerne mal auf der Couch liegen bleibt, wenn es gemütlich ist. Aber Schwangerschafts-Müdigkeit spielt in einer ganz eigenen Liga.
Das ist kein „Ich brauche jetzt dringend einen Kaffee“-Müde.
Das ist ein „Ich könnte im Sitzen einschlafen und es wäre mir völlig egal“-Müde.

Dazu kommt: Mein Bauch wächst – und mit ihm schrumpft die bequeme Auswahl an Schreibpositionen. Sitze ich zu lange am Tisch, meckert der Rücken. Lehne ich mich aufs Sofa, schlafe ich ein. Der Laptop fühlt sich manchmal eher wie ein Deko-Objekt an als wie ein Werkzeug.

Und weil ich vorher mit meinem Kind zuhause war, gab es selten diese ruhigen Momente, in denen ich hätte schreiben können. Die wenigen, die es gab, habe ich oft lieber genutzt, um durchzuatmen, anstatt mich sofort in eine Szene zu stürzen.

Auch der Partner darf nicht vergessen werden

Zwischen Mutterschaft, Schwangerschaft, persönlichen Zielen und großen Träumen gibt es da ja auch noch einen anderen sehr wichtigen Menschen: meinen Partner.
Wir haben uns entschieden, unser Leben miteinander zu verbringen – und eine gesunde Partnerschaft braucht meiner Meinung nach genügend gemeinsame Zeit.

Wie viel Zeit das ist, entscheidet natürlich jedes Paar selbst. Für manche reicht ein kurzes „Wie war dein Tag?“ am Abend, andere brauchen gemeinsame Ausflüge oder lange Gespräche bei Kerzenschein (oder in unserem Fall: zwischen Windelwechsel und Abendessen).

Mir ist einfach wichtig, dass wir uns im ganzen „Leben und Alltag“ nicht aus den Augen verlieren. Denn genau wie beim Schreiben braucht auch eine Beziehung regelmäßige Aufmerksamkeit – sonst fühlt man sich irgendwann wie zwei Mitbewohner, die zufällig das gleiche Netflix-Passwort nutzen.

Acht Wochen Pause und plötzlich fühlt sich alles fremd an

Vor acht Wochen habe ich zuletzt an meinem aktuellen Buch geschrieben. Acht Wochen klingt harmlos, oder?
In Schreibzeit ist das allerdings so, als würde man nach einer Weltreise wieder nach Hause kommen und sich fragen: „Hatte ich diesen Couchtisch schon immer?“

Ich kenne meine Figuren noch – irgendwie. Aber sie fühlen sich an wie Bekannte, mit denen ich lange nicht gesprochen habe. Ich weiß, dass wir uns mögen, aber das Gespräch kommt nicht sofort wieder in Gang.
Und meine Geschichte? Die sitzt in einer Ecke, verschränkt die Arme und schaut mich an, als wollte sie sagen: „Ach, guck mal, wer sich hier blicken lässt.“

Ich scrolle durch die letzten geschriebenen Seiten und merke, dass ich mich erst wieder in Ton, Stimmung und Logik reinfinden muss. Das kostet Zeit. Und Energie. Beides ist gerade eher Mangelware.

Versuchung: Neues Projekt

Ich gebe zu: Die Versuchung ist groß, einfach etwas Neues anzufangen.
Neue Projekte sind wie frische Notizbücher – sie riechen nach Möglichkeiten.
Da gibt es keine Altlasten, keine halbfertigen Kapitel, keine kniffligen Übergänge. Nur Ideen, die noch nicht gezähmt wurden.

Vielleicht ist das gerade genau das, was ich brauche: ein kleiner kreativer Kurzurlaub.
Ein paar Seiten, nur für mich. Ohne Druck, ohne Ziel. Einfach, um wieder ins Schreiben zu kommen. Und vielleicht nehme ich diese neue Energie dann mit zurück zu meiner eigentlichen Geschichte – so wie man aus dem Urlaub auch mal Motivation mitbringt, die Wohnung neu zu dekorieren.

Ein bisschen Druck rausnehmen

Früher hätte ich mich gezwungen, einfach weiterzumachen. Weil man „dranbleiben muss“.
Heute merke ich: Es bringt nichts, wenn ich mich durch die Seiten quäle. Meine Leser merken das. Ich merke das.
Und gerade, in dieser besonderen Lebensphase, ist es vielleicht sogar gut, sich selbst ein bisschen Druck zu nehmen.

Das Leben besteht nicht nur aus To-Do-Listen, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
Manchmal ist es auch völlig in Ordnung, einen Schritt zurückzutreten, tief durchzuatmen und darauf zu vertrauen, dass die Geschichte nicht wegläuft.

Fazit (falls man das so nennen kann)

Ich weiß nicht, ob das der „offizielle“ Weg ist, um aus einer Schreibflaute zu kommen.
Aber gerade fühlt es sich gut an, mir selbst diese Freiheit zu geben.
Vielleicht fange ich ein neues Projekt an. Vielleicht finde ich in zwei Wochen einfach so wieder in meine alte Geschichte zurück.
Und vielleicht lerne ich in dieser Zeit noch etwas ganz anderes: Dass Schreiben zwar ein wichtiger Teil von mir ist – aber nicht der einzige.

Manchmal ist der Umweg eben die schönere Strecke. Und wer weiß – vielleicht führt er mich am Ende genau dahin, wo ich hinmöchte: zurück in meine Geschichte, mit frischem Schwung und einem Lächeln im Gesicht.

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